Traumatisierte Menschen werden deutlich häufiger von Suchtmitteln abhängig als nicht traumatisierte (1). Neben der Suchtmittelabhängigkeit zeigen sich vielfältige weitere seelische, körperliche und soziale Folgen.

Ein Großteil unserer Patientinnen hat in ihrer Lebensgeschichte traumatische Ereignisse erfahren. Aus diesem Grund bieten wir traumaspezifische Psychotherapie (2) an. Unser Behandlungskonzept orientiert sich dabei an einem ressourcenorientierten Ansatz. Das heißt, vor einer Traumabearbeitung streben wir zunächst immer eine ausreichende Stabilisierung der Klientin an. Sie erfolgt in Gruppen- und Einzelübungen und -gesprächen sowie in eigenen Übungen der Patientin  in ihrer Freizeit.

Nach einer Diagnosephase wird im Falle einer Traumastörung, im Einvernehmen mit der Patientin, die Teilnahme an der Indikationsgruppe 'Trauma' empfohlen (5 Wochen Dauer, einmal wöchentlich, max. 10 Patientinnen). 
Hier vermitteln wir zunächst das nötige Basiswissen in Bezug auf das Trauma und die Traumafolgen. Es ermöglicht den Patientinnen, eigene Verhaltensweisen, Symptome und Bewältigungsversuche – dazu gehört auch die Suchterkrankung – als Traumafolgestörung zu erkennen und dadurch ein besseres Verständnis für die eigene Person zu entwickeln.
Im Weiteren erlernen sie Imaginations-Übungen (innerer sicherer Ort, innere Helfer, Tresorübung, Lichtübung) und Reorientierungs-Techniken. Beide können von ihnen dann zukünftig jederzeit zur Stressregulierung und Selbststeuerung eingesetzt werden. 
Zur Unterstützung bei akutem Suchtverlangen oder Selbstverletzungsdruck wird mit jeder Patientin ein Notfallplan erarbeitet und "ein Notfallkoffer gepackt", den sie sich zukünftig jederzeit zu ihrer Verfügung bereithalten kann.

In der Einzelpsychotherapie wird die seelische Stabilisierung vertieft und – wenn ausreichend – im Einzelfall durch eine vorsichtig gesteuerte Begegnung mit den traumatischen Erfahrungen ergänzt (EMDR-Methode). Bei komplex traumatisierten Patientinnen bedürfen die seelischen Prozesse, die eine Stabilisierung fördern, jedoch mehr Entwicklungszeit und psychotherapeutischer Erarbeitung, als dies in einem 16-Wochen-Zeitraum möglich ist. Eine Traumakonfrontation und -integration ist in diesem Fall oft erst im Anschluss an eine stationäre Behandlung – nach einer noch weiter fortgeschrittenen Stabilisierung in ambulanter traumaspezifischer Psychotherapie – erreichbar.

Alle erlernten Maßnahmen fördern bei der Patientin die psychische Stabilisierung, ein vertieftes Selbstverständnis sowie einen gesteuerteren und liebevolleren Umgang mit sich. In Stresssituationen kann sie konkrete neue Verhaltensweisen einsetzen (Kognitionen, Imaginationen, Reorientierungen, Notfallplan und -koffer). Das Suchtmittel als unzureichende Bewältigungsstrategie kann somit durch angemesseneres Verhalten ersetzt werden.

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(1) zu den Untersuchungen hierüber vergleiche Krausz 2006, Sachsse 2004, Resick 2003, Zenker 2002
(2) Wir arbeiten nach den Konzepten von Reddemann, Shapiro und Besser.