Derzeit können wir Patientinnen mit und ohne KInder sehr kurzfristig aufnehmen!

FSJ-Absolventinnen in Legau: „Danke für das Gespräch"

zfp-internetDas ZfP-Südwürttemberg (Zentrum für Psychiatrie–Südwürttemberg) betreut im Kreis Ravensburg rund 120 junge Menschen, die ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) ableisten. 22 von ihnen, die hauptsächlich im Kinder- und Jugendbereich beschäftigt sind, haben die AWO-Fachklinik für alkohol- und medikamentenabhängige Frauen in Legau besucht. Drei der Patientinnen hatten sich in einer Fragestunde den jungen Gästen gestellt, offen von dem Weg in die Sucht und ihren Wünschen für die Zukunft gesprochen. Dabei haben die Frauen festgestellt, wie gut es ist, wenn ihnen zugehört wird.

Eine Erfahrung, die sie vor ihrem schweren Gang in die Entwöhnungsklinik nur selten gemacht hatten. „Danke, das Sie mir zugehört haben“, formulierte eine Patientin. „Ich habe mir immer gewünscht, dass man ehrlicher zu mir gewesen wäre. Aber das hat sich keine getraut.“

Aber auch die Besucherinnen zeigten sich sehr beeindruckt von der Offenheit der drei Frauen. Es sei sicherlich nicht leicht, in einer so großen Gruppe über diese schwierigen Dinge zu sprechen, meinte eine der jungen Damen. Man habe schon viel über die Alkoholkrankheit gehört. „Aber solche persönlichen Geschichten sind doch viel eingängiger. Danke für das Gespräch“, meinte sie.   Patientinnen und Besucherinnen waren sich einig, dass ein solcher Gedanken- und Erfahrungsaustausch dazu beitragen kann, dass weniger Menschen in die Sucht abgleiten beziehungsweise der Droge Alkohol entfliehen können.
Zu Beginn des Besuches hatte Thomas Richter, Therapeutischer Leiter der Klinik in Legau und auch der AWO-Fachklinik in Schönau für alkoholabhängige Männer, das Konzept der Klinik erläutert. Mit 30 Plätzen ist die AWO-Fachklinik Legau ein eher kleines Haus und ausschließlich Frauen vorbehalten, wobei zehn Plätze für Mütter mit Kindern  reserviert sind. Die Patientinnen leben in Wohngruppen, um auch den sozialen und gesellschaftlichen Kontakt wieder zu lernen. „Bei vielen Frauen war zum Schluss oft nur noch die Flasche der zentrale Bezugspunkt“, so Richter. Beim Hausrundgang zeigten sich die FSJ’ler sehr interessiert am Klinikalltag. Ihre Fragen zeigten, dass sie sich mit der Alkoholproblematik schon eingehender beschäftigt hatten. Nicht von ungefähr hatten sie sich für einen Besuch in Legau während ihrer Weiterbildungs-Woche entschieden. Besonders der Kinderbereich fand viel Zuspruch.  Kein Wunder, sind doch fast alle zurzeit im Kinder- und Jugendbereich beschäftigt. So waren auch die Alkoholkrankheit der Mutter und die Entwicklung der Kinder zentrale Punkte im Fragenkatalog.

Aber auch das Thema Rückfall blieb nicht unerwähnt. Wobei Thomas Richter berichten musste, dass das Rückfall-Risiko auch nach einem Klinik-Aufenthalt noch immer bei rund 50 Prozent liegt. Auch ein Rückfall während der Therapie in Legau kommt vor, doch ist dies eher die Ausnahme. „Hier sind wir doch recht geschützt“, meinte eine Patientin. „Schwer wird es erst wieder draußen.“ Wie recht sie doch hat. Mehr Verständnis in der Gesellschaft für ihre Krankheit könnte ihr Risiko senken. Solche Treffen, bei denen man einander zuhört, sind da sehr hilfreich. (jhg)