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Suchtberater in Legau: Gespräche mit überraschender Offenheit

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren geht davon aus, dass fünf Prozent der Beschäftigten alkoholkrank und weitere zehn Prozent alkoholgefährdet sind. Aus diesem Grund sind in vielen Betrieben inzwischen auch betriebliche Suchberater installiert worden. Die Suchberater üben ihre Funktion zumeist auf freiwilliger Basis aus, werden zuvor aber intensiv auf die verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet. Ausbilder Franz Miehle, Experte in der Betrieblichen Suchtprävention, war mit acht zukünftigen Suchtberatern aus ganz Bayern in die AWO Fachklinik Legau für alkohol- und medikamentenabhänge Frauen gekommen, um sich ein Bild der Arbeit in einer Entwöhnungsklinik zu machen.

Die angehenden Berater sind angestellt bei Landesämtern, Gerichten, großen Klinikverbänden, Energieversorgern, Versicherungen oder auch Weltkonzernen der Automobilindustrie.
In seiner Einführung erläuterte Thomas Richter, Therapeutischer Leiter, den Besucher, dass das Konzept der eher kleinen Klinik mit rund 30 Therapieplätzen, von denen etwa zehn für Mütter mit kleinen Kindern vorgesehen sind. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend setzt man in Legau gezielt auf die geschlechtsspezifische getrennte Therapie. Denn, so Richter, gerade in reinen Frauengruppen gehen die zum Teil traumatisierten Patientinnen viel eher aus sich heraus. Auch sei die Trennung von Frauen und Männern, wie auch in der Schwesterklinik in Schönau (Männer), besser geeignet Patienten ohne Ablenkung durch das andere Geschlecht zur Ruhe kommen, sich selbst wieder finden zu lassen, um neue Kraft zu sammeln für das Leben danach.
Konkret wurde es dann bei den abschließenden Gesprächsrunden, zu denen sich auch drei Patientinnen bereit erklärt  hatten. Sie erzählten den nicht selten erstaunten zukünftigen Suchtberatern, wie sie in die Abhängigkeit vom Alkohol geraten sind. Berichteten davon, dass das schamhafte Wegsehen, das Ignorieren ihrer Krankheit durch ihr Umfeld sie immer weiter ins Dilemma gestürzt habe. Eine Frau legte dar, dass erst die Ansprache ihres Chefs, der, wie sie später erst erfahren hat, selbst ein Alkoholproblem hatte, ihr den Ansporn gegeben hat aus dem Teufelskreis Alkohol mit einer Langzeittherapie zu entfliehen. Eine andere Patientin verwies aber auch auf ihre Eigenverantwortung: „Ich kann mein Umfeld nicht ändern. Ich kann nur mich ändern.“ Alle drei Frauen waren sich einig, dass die Betriebliche Suchtprävention ein guter Weg ist, um die Alkoholkrankheit von der allgemeinen Stigmatisierung zu befreien.suchtberaterklein
Auch die Gäste fanden die Gespräche „ganz prima“ und bedankten sich für die offenen Bekenntnisse. Soviel Offenheit habe man gar nicht erwarten können. Für ihren neuen Nebenjob sei es aber besonders wichtig auch die Position der Betroffenen kennen zu lernen, quasi die andere Seite. Eine angehende Suchtberaterin meinte: „Der Besuch hier in Legau hat mir sehr weitergeholfen, hat mir Mut gemacht. Theorie ist das eine, so eine praktische Erfahrung ist doch was ganz anderes.“
Auch Ausbilder Franz Miehle war sehr angetan von den drei Stunden in der AWO-Fachklinik. Er sei ja schon oft vor Ort gewesen. Aber er erfahre und lerne bei jedem Besuch immer wieder Neues. Die Gespräche seien für ihn stets Motivation in seiner Arbeit fort zu fahren. „Es macht mir Mut weiter zu helfen, neue  Anstöße  zu finden und zu vermitteln.“ (jhg)