„Frau sein“: Frei wie der Wind und von der Fessel Alkohol


„Frau sein“; das klingt so einfach und ist es doch nicht. Diese Erfahrung haben die Patientinnen der AWO-Fachklinik Legau bei ihrer Projektwoche mit eben diesem Thema  gemacht. In einer Gruppe haben die Patientinnen sich erst mal Gedanken darüber  gemacht, was steckt eigentlich hinter dem Thema „Frau sein“. Zum Beispiel, wie sind wir geworden wie wir sind, wie funktionieren wir oder was wird von uns erwartet? Sind wir immer nur gestylt schön oder auch mal im lockeren Look?

Stark und weltoffen oder doch eher kuschelig und familiär? frau1Alles gehört dazu und jede empfindet es anders, eine jede hat eine andere Vorstellung, wobei auch das Alter eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Zehn Frauen haben es sich dann bei einer Aroma-Massage  unter Anleitung der Bewegungstherapeutin gut gehen lassen, sich gegenseitig verwöhnt und Spannungen abgebaut. Die fantastische Reise in die Welt von „1000 und einer Nacht“ bei der orientalischen Gesichtsmassage war dann der krönende Abschluss. Eine Erfahrung mit allen Sinnen, die viel Vertrauen voraussetzt und sehr dazu beigetragen hat, sich selber wieder mehr Wert zu schätzen.
Mit dem Medium Ton hat sich eine andere Gruppe dem Thema „Frau sein“ genähert.  Praktisches und Typisches kam dabei heraus, wie zum Beispiel ein Schuh (alle Frauen lieben Schuhe – Vorurteil oder nicht?), der schön anzusehen ist und gleichzeitig auch als Aschenbecher dienen kann. Auch die filigranen und dekorativen Figuren (als Buchstützen) sowie Blumen (als Schmuck) gehören dazu. Auf jeden Fall hat es Spaß gemacht, zu tonen und über das eigene und andere Frau-Sein zu philosophieren, wobei auch die interessierte und achtsame Haltung des männlichen Arbeitstherapeuten  dazu beigetragen  hat, wie die Teilnehmerinnen betonten.
Eine dritte Gruppe hat sich unter Anleitung einer Musiktherapeutin über die Musik dem „Frau sein“ genähert. Zuerst gab es Unsicherheiten und viel Zurückhaltung. Doch dann wurde ein gemeinsames Lied  gefunden, in dem die Zweifel sich in Rauch auflösten, man frei ist wie Vogel und Wind und der gemeinsame Weg alle Fessel hinter sich lässt. „Frau sein“ bedeutet auch frei sein vom Alkohol, der immer wieder als Fessel empfunden wurde und jetzt für immer der Vergangenheit angehören soll. Zu Beginn der Projektwoche war das gemeinsame Singen noch nicht vorstellbar, um es jetzt um so lustvoller ohne Anspruch auf Perfektion zusammen zu betreiben.
Für Thomas Richter, Therapeutischer Leiter der AWO-Fachklinik, hat die Projektwoche  wieder gezeigt, dass die Klischees „so sind Männer, so sind Frauen“ völlig unzureichend sind. Die Woche hilft, das Selbstbild  als Frau zu erweitern und neue bunte Seiten zu entdecken, die das eigene Rollenrepertoire vergrößern.  Auch eine Parallele vom Singen und  Alkohol hat er festgestellt. „Zu Beginn der Woche konnten viele es sich nicht vorstellen in der Gruppe zu singen. Vor der Therapie konnten es sich viele nicht vorstellen ohne Alkohol zu leben und jetzt wird es langsam Realität.“
Diese speziellen Therapiewochen  finden alle 15 Wochen in Legau statt, damit jede Patientin in den Genuss einer solchen Erfahrung kommen kann.  (jhg)

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